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Clean language: Vertraue dem Patienten

7. Oktober 2022
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Books reviewedPhilip Harland. Trust me, I'm the patient. Engel 2012.

"Clean language" ist eine wertfreie Fragetechnik, die Patient:innen dabei helfen soll, unbewusstes Wissen zu erschließen. Denn Philip Harland und seine therapeutische Schule sind überzeugt: Der Patient kennt die Lösung.

In seinem Buch "Trust me, I'm the Patient" erläutert Autor Philip Harland den Ansatz seines Lehrers David Grove, der die "Clean language"-Technik entwickelte. Sie beruht auf zwei Regeln: Gehe davon aus, dass Du die Lösung nicht weißt. Und stelle Fragen, die wertfrei sind. Also frei von eigenen Annahmen, Eindrücken, Gefühlen, Suggestionen oder gar Unterstellungen.

Dieser Ansatz stellt den Patienten/die Patientin in den Mittelpunkt. Der Therapeut oder die Therapeutin hat die Aufgabe einer Hebamme, die hilft, Unbewusstes zu Tage zu fördern. Indem wir uns selbst zurücknehmen und alle Aufmerksamkeit auf den Patienten/die Patientin richten, gleichen wir das Machtgefälle aus. Und wir stärken das Vertrauen des Patienten/der Patientin in den Prozess, der eigene, schlummernde Ressourcen erschließt.

Achte auf Mehrdeutigkeiten und Wortspiele

Nach dem Theorie-Teil des Buchs folgt ein praktischer Teil, in dem Harland exemplarisch therapeutische Gespräche wiedergibt. Er stellt einen großen Katalog an "Clean language"-Fragen zur Verfügung. Dabei sensibilisiert Harland, der auch als Drehbuchautor tätig ist, für Mehrdeutigkeiten und Wortspiele. Er ermutigt, nachzufragen, um die "Parallelwelten" im Unterbewussten zu erschließen. Denn aus der Fülle der Assoziationen, Empfindungen und Erfahrungen können wir jeweils nur Teilaspekte mit Sprache kommunizieren.

Ein Schlüssel zum Unbewussten sind für Philp Harland Metaphern. "Wenn wir davon ausgehen, dass Metaphern eine kodierte Botschaft sind, dann ist Clean language die Formel, um den Code zu entziffern", so Harland. Und mit diesem Wissen eröffnen wir unseren Patient:innen die Möglichkeit zu heilen und sich zu ändern.

Selbst wenn man den Ansatz nicht als einzig zielführenden ansieht, lohnt sich die Lektüre unserer Meinung nach für jeden, der therapeutisch arbeitet. Denn das Buch regt dazu an, sich kritisch damit auseinander zu setzen, welchen Einfluss wir auf unsere Patient:innen nehmen. Wobei anzumerken ist, dass therapeutisches Handeln unserer Ansicht nach nicht ohne eine - wie auch immer geartete - Beziehung zu unseren Patient:innen möglich ist.

Mehr über Clean language

Die deutsch Sprache ist nicht so vieldeutig wie die englische. Deshalb kann es unter Umständen schwierig sein, die grundlegenden Fragen des Clean language ins Deutsche zu übertragen. Vorschläge für deutsche Formulierungen finden sich hier.

Mehr über Clean language auf englisch auf der Webseite von Penny Tompkins und James Lawley.

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